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Interview mit Oliver Preikschat von "10Immobilien"

abgelegt im Archiv Interviews am 29.07.08

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Die Verknüpfung von traditionellen Geschäftsfeldern mit dem Web 2.0 ist eine interessante Aufgabe, da etabliertes Denken aufgebrochen und in neue Praktiken überführt werden muss. Ein gutes Beispiel dafür ist das Immobilienportal "10Immobilien". Einem der Gründer, Oliver Preikschat, habe ich jetzt im Rahmen der Interview-Serie ein paar Fragen gestellt.

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1) Wie würdest Du "10Immobilien" beschreiben und wie kam es zu dem Projekt und dem Namen?

Boris und ich kommen eigentlich aus der Immobilienbranche, teils als Architekt, oder auch als Projektentwickler und wir betreiben seit ein paar Jahren recht erfolgreich das Internetportal 10scouts.com und diese einzelnen Scouts, wie steuerberaterscout.com, rechtsanwaltscout.com, unternehmensberataerscout.com etc, bei dem wir Aufträge an Freiberufler, wie Architekten, Anwälte oder Steuerberater vermittelten. Die Kombination mit der Zahl 10 war einfach die Anzahl unserer einzelnen Scouts im Internet und markenrechtlich schutzfähig.
Mit Immobilienportalen hatten wir experimentiert und uns störte am Status Quo, die reinen Datenbanken mit Ihren Millionen Angeboten. Für einen Milliardenmarkt etwas eindimensional. Das fanden wir wirklich nicht mehr zeitgemäß, einfach ein Angebot einzustellen und zu warten das was passiert. Als ich meine eigene Wohnung verkaufen wollte, fand ich diese selber gar nicht mehr wieder. Wir möchten den Kunden in den Mittelpunkt stellen und adressierbar gestalten und damit die eigentliche Suche verbessern. Also dachten wir, es ist bestimmt für alle einfacher, gleich mal 10 Immobilien zu sehen die genau auf das eigene Suchprofil passen und umgekehrt halt, als Anbieter, gleich 10 ganz gut passende Kunden zu finden. Das ganze kombinierten wir noch mit einer verständlichen Sternebewertung, als erste Orientierung, für Suchende und dieses 10Angebote/10Suchprofile matching brachte uns zum Namen: 10immobilien.com.

2) Das Web 2.0 bringt viele innovative Ideen hervor. Die Idee zur Vermittlung von Immobilien ist dagegen nicht eben neu. Wie kommt man auf die Idee es dennoch mit dem Web 2.0 zu versuchen?

Genau das ist der Punkt; das web 2.0 mit seinen genialen Ideen ging bislang voll an diesem Riesenmarkt vorbei. Die großen Player haben noch, ganz schnell, eine tolle community gezaubert um den Trend nicht völlig zu verpassen, aber an der Systematik nichts verändert. Ich glaube, hier wurde es einfach mal Zeit frische Ideen zu zeigen, die nachweislich den Vermietungs- und Verkaufsprozeß optimieren. Wer ist denn flexibel und muss angesprochen werden? Der Anbieter kann doch nur was am Preis machen, den Kunden jedoch wird mit guten Argumenten überzeugt. Also Feedback, wer hat mein Angebot angesehen, welche neuen Angebote könnten passen und welche neuen Suchprofile sind da, sowie Bewertungsmöglichkeiten der Suchenden, ist das, was nicht nur aus Xing u. a. eine geniale Geschäftscommunity machte, sondern auch bei der Immobilien-Produktvermarktung bislang fehlte.



3) Für die Entwicklung einer schlagkräftigen Web 2.0-Plattform braucht man neben der Idee vor allem Kapital und die richtigen Köpfe. Wie findet man für eine solche Ideen die passenden Geldgeber und Entwickler?

Für uns nicht das größte Problem, weil wir in der komfortablen Situation sind, ein bereits laufendes Internet-Geschäftsmodell mit Umsätzen und Gewinn zu haben. Wir werden im ersten Schritt eine Bankfinanzierung, unserer Hausbank, in Anspruch nehmen. Ein paar bekannte Angels zeigten Interesse, wollte aber erst nennenswerte Umsätze sehen. Also dann...

4) Welche Entwicklungen können wir für die Zukunft erwarten, was habt ihr geplant um euch von der Konkurrenz abzuheben?

Wir möchten erst mal zeigen , dass es überhaupt funktioniert. Es gibt einfachere Aufgaben als einen besetzten Mega-Markt mit einem starken, bekannten und erfolgreichen Marktführer anzugreifen. Unsere Chance liegt erst einmal im Testmarkt Berlin und den usp`s (Unique Selling Propositions / Alleinstellungsmerkmale). Da kennen wir und uns aus und viele Kunden, Schlüsselkunden, sowie Multiplikatoren mit Vornamen. Schaffen wir es hier können wir auch skalieren. Für später haben wir noch ein paar web 2.0 Ideen wie z.B bestimmte Eigenschaften von Immobilien zu taggen und danach suchen zu können.

5) Gab es auch Fehler bei der Umsetzung von "10Immobilien" und welche Tipps würdest Du angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Jeder der eine neue Geschäftsidee umsetzt macht automatisch Fehler, unser Manko ist die technische Umsetzung, bei der wir uns auf unsere externen Dienstleister komplett verlassen müssen. Aber im Beta- ständig nachzubessern und bugs zu eliminieren ist echt nervtötend.
Mein 1.Tipp: Selbstüberschätzung vermeiden; jeder denkt seine Idee wäre genial, doch entscheiden wird allein der Markt, deshalb ist der erste Euro Umsatz so wichtig.
2. Tipp: machen-weitermachen.

6) Wie lange braucht es von der Idee bis zur fertigen Umsetzung? Oder ist man eigentlich jemals fertig?

Die Idee ist für uns "uralt" (2 Jahre), nur fehlte bei der bisherigen Umsetzung und Prototypen, das was nun den Kunden wirklich anspricht. Es genügt nicht Suchprofile zu zeigen, das ist langweilig. Für die technische Umsetzung brauchten wir 6 Monate, für den Business-Plan nur einen. Sicher ist man nie richtig fertig aber jeder merkt selbst, wenn der Markt anspringt und was die Kunden wollen.

7) Mal ehrlich: wieviel Know-how hat man als Wirtschaftsingenieur eigentlich in Sachen Entwicklung für das Web 2.0?

Originär wenig, weil ich glaube web 2.0 ist kein Studium, sondern Idiologie.
Aber halt genial anwendbar und zukunftsweisend, wenn man ein paar Grundprinzipien versteht.

Vielen Dank für das Interview.

Permalink: Interview mit Oliver Preikschat von "10Immobilien"

Tags: Interview  Startup  Immobilien 

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